

Wie war das nochmal mit „normalem“ Schlaf?
DER ist bei mir oft nachts wach und sucht Gesellschaft. Laut Internet schlafen Menschen zwischen 40 und 55 Jahren durchschnittlich etwa sieben Stunden. Dabei wechseln sie verschiedene Schlafphasen – leicht, tief und REM – in mehreren Zyklen. Der Schlaf hilft dem Gehirn, den Tag zu verarbeiten und Energie für den nächsten Tag zu tanken.
Seit DER da ist, sind meine Nächte kürzer, die Tage und Gedanken länger – und beides anstrengender. Wann bin ich das letzte Mal wirklich erholt aufgewacht und habe den Tag voller Energie begonnen? Diese Frage kann ich nicht genau beantworten, und DER gibt keine Antwort. Unser Leben ist an vielen Stellen smart geworden, und fast jede „normale“ Uhr kann heute messen, wie viele Schritte man gemacht, wie viel Wasser man getrunken oder wie gut man geschlafen hat. Wenn ich meine Werte anschaue, habe ich einen Score von 58 – was auch immer das heißt. Oft fühle ich mich eher wie bei 0.
Sport treiben, lesen, nicht zu lange vor dem Schlafengehen aufs Handy oder den PC schauen – das sind gute Tipps, die vielen helfen. Aber manche Nächte will DER lieber tanzen, und Beine oder Arme gehorchen nicht. An Ein- oder Durchschlafen ist dann kaum zu denken.
Kennt ihr diesen Spruch: „Denke nie, dass du gedacht hast, denn das Denken über das Denken ist gedankenloses Denken. Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst – aber richtig denken tust du nie!“ DER kennt ihn und bringt Gedanken und Gefühle oft genau dann in Schwung, wenn man müde ist und schlafen will. Wenn die Gefühle zu stark werden, laufen manchmal die Tränen – zumindest bei mir –, gerade dann, wenn man schlafen will.
Ich gebe zu, manchmal will ich die Spielchen von DER nicht mitmachen und bleibe einfach wach oder nehme Medikamente. Fühle ich mich danach besser? Manchmal ja – aber auf Dauer ist das keine Lösung. Es kann auch Spaß machen, die Nacht zum Tag zu machen – auf jeden Fall. Manchmal ist die Ruhe auf der Straße und die Stille auf dem Sportplatz wie ein Pflaster auf meine Schlaflosigkeit – keine Termine, keine Anrufe, keine Aufgaben, die erledigt werden müssen. Es ist ja mitten in der Nacht.
DER ist da und will nicht schnell verschwinden. Beim Schlaf ist mit ihm vielleicht ein Waffenstillstand für eine Nacht oder mehr oft besser als die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden – so sehe ich das. Die Wahrheit liegt wie oft in der Mitte. Nicht verzweifeln, auch DER wird manchmal müde. Aber das kann ich gerade schreiben, solange mein Akku noch Saft hat. Frag mich nicht nach einer schlaflosen Partynacht – da werde ich dir sicher das Gegenteil sagen.
