

„Geh doch mal raus, das Wetter ist so schön!“ kicher
Diesen Satz könnte auch DER sagen, um uns ins Freie zu locken. Oft folgen wir gerne dieser Aufforderung, doch manchmal spielt DER uns einen Streich. Ich gebe zu, dass ich lieber angenehme 20 Grad habe als sonnige 33 wie in den letzten Tagen. Vielleicht liegt es daran, dass mein Kühlsystem (Schwitzen) schon immer sehr fein eingestellt war und bei der kleinsten Veränderung ansprang. Seit DER dauerhaft eingezogen ist, hat sich das noch verschärft. DER heizt im Sommer wie im Winter immer die körpereigene Heizung an. Egal, ob ich vom 2. Stock in den Keller gehe oder eine entspannte Radtour mache – die Heizung läuft auf Hochtouren.
Was DER lustig findet, mag mein Kühlsystem gar nicht und versucht unermüdlich, die „Brände“ zu löschen – ich schwitze. So habe ich zu jeder Jahreszeit das Bedürfnis nach kühler Luft. Ob am Schreibtisch zu Hause oder im Büro, ein Ventilator läuft immer. Das sorgt manchmal für schiefe Blicke, wenn ich zur Adventszeit statt Lichterketten lieber meinen mobilen Ventilator einschalte und nach dem Weg aus der Tiefgarage ins Büro im zweiten Stock aussehe, als hätte ich einen Marathon hinter mir.
Bei manchen Situationen, etwa beim Tischtennis, fällt es anderen nicht sofort auf, doch ich merke es und bin nicht begeistert. Kommen dann gut gemeinte Kommentare wie „Ist dir warm?“ oder „Du siehst ja fertig aus!“, antworte ich an guten Tagen: „Im Gegensatz zu dir habe ich mich auch angestrengt.“ Trotzdem fühlt man sich unwohl. Wahrscheinlich sitzt DER dabei auf meiner Schulter und kichert. Die Konsequenz? Man vermeidet körperliche Anstrengung und macht es dadurch nicht besser, sondern schlechter – DER hat gewonnen!
Mal ehrlich: Wir Parkis kämpfen mit vielen unterschiedlichen Auswirkungen unserer Krankheit. Oft erwarten selbst informierte Menschen in unserem Umfeld nicht, wie sehr uns manche Dinge belasten – vielleicht weil wir es selbst noch nicht vollständig verstanden haben oder aus Unbehagen das Thema lieber verschweigen. Gerade deshalb ist es wichtig, mit Familie, Freunden, Arbeitskollegen oder Ärzten offen darüber zu sprechen. So geben wir DER keine Ausrede mehr und können unser eigenes Gewissen beruhigen. Manche Dinge können wir nicht direkt beeinflussen, aber wir können immer entscheiden, wie wir damit umgehen wollen.
Jetzt drehe ich meine Klimaanlage auf und blase DER von meiner Schulter – heute hat er genug mit meinem Körperthermostat gespielt. Für heute ist Schluss.

Wie war das nochmal mit „normalem“ Schlaf?
DER ist bei mir oft nachts wach und sucht Gesellschaft. Laut Internet schlafen Menschen zwischen 40 und 55 Jahren durchschnittlich etwa sieben Stunden. Dabei wechseln sie verschiedene Schlafphasen – leicht, tief und REM – in mehreren Zyklen. Der Schlaf hilft dem Gehirn, den Tag zu verarbeiten und Energie für den nächsten Tag zu tanken.
Seit DER da ist, sind meine Nächte kürzer, die Tage und Gedanken länger – und beides anstrengender. Wann bin ich das letzte Mal wirklich erholt aufgewacht und habe den Tag voller Energie begonnen? Diese Frage kann ich nicht genau beantworten, und DER gibt keine Antwort. Unser Leben ist an vielen Stellen smart geworden, und fast jede „normale“ Uhr kann heute messen, wie viele Schritte man gemacht, wie viel Wasser man getrunken oder wie gut man geschlafen hat. Wenn ich meine Werte anschaue, habe ich einen Score von 58 – was auch immer das heißt. Oft fühle ich mich eher wie bei 0.
Sport treiben, lesen, nicht zu lange vor dem Schlafengehen aufs Handy oder den PC schauen – das sind gute Tipps, die vielen helfen. Aber manche Nächte will DER lieber tanzen, und Beine oder Arme gehorchen nicht. An Ein- oder Durchschlafen ist dann kaum zu denken.
Kennt ihr diesen Spruch: „Denke nie, dass du gedacht hast, denn das Denken über das Denken ist gedankenloses Denken. Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst – aber richtig denken tust du nie!“ DER kennt ihn und bringt Gedanken und Gefühle oft genau dann in Schwung, wenn man müde ist und schlafen will. Wenn die Gefühle zu stark werden, laufen manchmal die Tränen – zumindest bei mir –, gerade dann, wenn man schlafen will.
Ich gebe zu, manchmal will ich die Spielchen von DER nicht mitmachen und bleibe einfach wach oder nehme Medikamente. Fühle ich mich danach besser? Manchmal ja – aber auf Dauer ist das keine Lösung. Es kann auch Spaß machen, die Nacht zum Tag zu machen – auf jeden Fall. Manchmal ist die Ruhe auf der Straße und die Stille auf dem Sportplatz wie ein Pflaster auf meine Schlaflosigkeit – keine Termine, keine Anrufe, keine Aufgaben, die erledigt werden müssen. Es ist ja mitten in der Nacht.
DER ist da und will nicht schnell verschwinden. Beim Schlaf ist mit ihm vielleicht ein Waffenstillstand für eine Nacht oder mehr oft besser als die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden – so sehe ich das. Die Wahrheit liegt wie oft in der Mitte. Nicht verzweifeln, auch DER wird manchmal müde. Aber das kann ich gerade schreiben, solange mein Akku noch Saft hat. Frag mich nicht nach einer schlaflosen Partynacht – da werde ich dir sicher das Gegenteil sagen.
